Dosierung: Goldene Regeln
- Start Low, Go Slow: 2,5 mg THC Einstieg — 2 Stunden warten, nie nachdosieren
- Körpergewicht: +10% Dosis pro 10 kg über 70 kg Körpergewicht (Faustformel)
- Toleranz: Regelmäßige Nutzer brauchen 2–5x mehr für gleiche Wirkung
- CBD abmildern: CBD kann THC-Intensität reduzieren — 1:1 bis 4:1 Verhältnis
- Dosierungsrechner für präzise, gewichtsbasierte Berechnung nutzen
Warum ist Dosierung bei Edibles anders?
Wer Cannabis raucht oder verdampft, spürt die Wirkung innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten. Das Gehirn gibt sofort Feedback, und man hört intuitiv auf, wenn die gewünschte Wirkung erreicht ist. Bei Edibles funktioniert dieses Feedback-System nicht.
Der Unterschied liegt im Stoffwechselweg: Inhaliertes THC gelangt direkt über die Lungen ins Blut und von dort ins Gehirn — der Weg dauert Sekunden. Gegessenes THC muss zunächst den gesamten Verdauungstrakt durchlaufen, dann durch die Leber verarbeitet werden, bevor es ins Blut gelangt. Das dauert 30 bis 120 Minuten, manchmal sogar länger.
Der zweite Unterschied: In der Leber wird Delta-9-THC zu 11-Hydroxy-THC umgewandelt — eine Verbindung, die 3–5 Mal stärker psychoaktiv ist als das ursprüngliche THC und deutlich länger wirkt. Die Gesamtwirkung kann 4 bis 8 Stunden anhalten, bei empfindlichen Personen noch länger. Voraussetzung dafür ist immer eine korrekte Decarboxylierung — ohne sie bleibt das THC inaktiv.
Das wichtigste Prinzip: Nie mehr nehmen, bevor die Wirkung der ersten Dosis vollständig eingesetzt hat. Die häufigste Ursache für unangenehmeDosierungen ist das ungeduldige Nachessen, weil "noch nichts passiert ist".
Start Low, Go Slow — Die Grundregel
"Start Low, Go Slow" ist keine Marketing-Phrase, sondern ein medizinisch begründetes Prinzip, das auch von Gesundheitsbehörden empfohlen wird. Es bedeutet:
- Start Low: Mit der kleinsten wirksamen Dosis beginnen — bei Neueinsteigern 2,5 mg THC oder weniger.
- Go Slow: Mindestens 2 Stunden warten, bevor die Wirkung bewertet wird. Bei manchen Menschen dauert es bis zu 4 Stunden.
- Nächste Session: Wenn die erste Dosis keine ausreichende Wirkung hatte, beim nächsten Mal moderat erhöhen — um 2,5 mg, nicht mehr.
Dieser Ansatz schützt besonders Erstnutzer und Personen, die Cannabis nach langer Pause wieder konsumieren, da die Toleranz stark variiert.
Dosierungsempfehlung nach Erfahrungslevel
Erster Kontakt oder nach langer Pause. Sehr geringe Wirkung bei erfahrenen Nutzern, aber perfekt für Einsteiger.
Für Personen mit regelmässiger Erfahrung. Deutliche Wirkung, gut kontrollierbar.
Nur für erfahrene Nutzer mit hoher Toleranz. Intensive Wirkung, nicht für Einsteiger geeignet.
| Erfahrungslevel | Empfohlene Dosis | Erwartete Wirkung | Onset |
|---|---|---|---|
| Erstmalig / Einsteiger | 2,5 mg THC | Leichte Entspannung, kaum psychoaktiv | 45–90 Min. |
| Gelegentlich (1–2x/Monat) | 5 mg THC | Spürbare Entspannung, leichter Rausch | 30–90 Min. |
| Regelmässig (wöchentlich) | 10–15 mg THC | Deutliche Wirkung, erhöhte Euphorie | 30–60 Min. |
| Häufig (täglich) | 15–30 mg THC | Starke Wirkung, nur mit hoher Toleranz | 30–60 Min. |
| Medizinisch / hohe Toleranz | 30–50+ mg THC | Intensive Wirkung, nur unter Aufsicht | 20–45 Min. |
Wirkungszeit und Dauer verstehen
Der Onset — also der Beginn der spürbaren Wirkung — ist bei Edibles stark variabel und hängt von mehreren Faktoren ab:
- Magenfülle: Auf nüchternen Magen wirken Edibles schneller (30–45 Min.), nach einer fettreichen Mahlzeit langsamer (60–120 Min.).
- Metabolismus: Menschen mit schnellem Stoffwechsel spüren die Wirkung früher.
- THC-Form: Cannabinoide in Cannabutter oder Öl-Basis werden schneller aufgenommen als in Teig oder Schokolade.
- Toleranz: Regelmässige Nutzer spüren die Wirkung oft früher, weil ihr endocannabinoides System trainiert ist.
Die Wirkungsdauer bei Edibles beträgt typischerweise 4–8 Stunden, wobei die stärkste Phase 1–3 Stunden nach dem Onset liegt. Manche Personen berichten von Nachwirkungen bis zu 12 Stunden nach der Einnahme — besonders bei grossen Dosen oder niedriger Toleranz.
Toleranz und wie sie sich entwickelt
Regelmässiger Cannabiskonsum führt zur Toleranzentwicklung: Das endocannabinoidische System passt sich an, die Rezeptoren werden weniger empfindlich. Konkret bedeutet das, dass die gleiche Dosis mit der Zeit eine schwächere Wirkung erzeugt.
Bei Edibles entwickelt sich Toleranz etwas langsamer als bei Inhalation, da die Bioverfügbarkeit geringer ist. Typische Zeichen erhöhter Toleranz:
- Früherer Dosen wirken kaum noch
- Onset-Zeit verkürzt sich
- Wirkungsdauer nimmt ab
Toleranzpausen ("T-Break") von 2–4 Wochen setzen die Empfindlichkeit zurück. Viele erfahrene Nutzer berichten, dass schon eine kurze Pause die Wirksamkeit alter Dosierungen wiederherstellt.
Dosierungstabelle nach Koerpergewicht
Koerpergewicht ist einer der relevantesten Faktoren bei der Edible-Dosierung. Diese Tabelle gilt als Ausgangspunkt für Einsteiger, individuelle Toleranz und Metabolismus koennen die optimale Dosis deutlich verschieben.
| Koerpergewicht | Einsteiger | Erfahren | Fortgeschritten |
|---|---|---|---|
| Unter 60 kg | 1,5–2,5 mg | 3–7 mg | 8–15 mg |
| 60–75 kg | 2,5–5 mg | 5–10 mg | 10–20 mg |
| 75–90 kg | 3–6 mg | 6–15 mg | 15–25 mg |
| 90–110 kg | 4–8 mg | 8–18 mg | 18–30 mg |
| Ueber 110 kg | 5–10 mg | 10–20 mg | 20–35 mg |
Wichtig: Diese Tabelle ist ein Orientierungsrahmen, kein fixes Rezept. Beginne immer mit der niedrigsten Einsteiger-Dosis und passe erst beim naechsten Mal an.
Warum wirkt es bei mir anders? 5 biologische Faktoren
Zwei Menschen gleichen Gewichts koennen bei identischer Dosis voellig unterschiedliche Erfahrungen machen. Das liegt an diesen fuenf biologischen Variablen:
THC wird in der Leber zu 11-Hydroxy-THC umgewandelt, das 3–5x staerker wirkt. Schnelle Metabolisierer spueren staerkere Wirkung. Bestimmte Medikamente wie Ibuprofen koennen diese Enzyme hemmen und die Wirkung unbeabsichtigt verstaerken.
THC ist fettloeslich und speichert sich im Fettgewebe. Höherer Koerperfettanteil vergrößert das Verteilungsvolumen, verlangsamt den Blutspiegelanstieg und kann Nachwirkungen verlaengern, da THC aus Fettspeichern spaeter wieder freigesetzt wird.
Menschen unterscheiden sich genetisch in der Dichte und Empfindlichkeit ihrer CB1-Rezeptoren. Einige reagieren stark auf 2,5 mg, andere bemerken bei 10 mg kaum eine Wirkung. Diese individuelle Varianz ist nicht trainierbar.
Auf nuechternem Magen wirken Edibles bis zu 30 Minuten frueher und intensiver. Nach einer fettreichen Mahlzeit verzoegert sich der Onset auf 90–120 Minuten. Fette foerdern die THC-Resorption, da der Wirkstoff fettloeslich ist.
Regelmaessiger Konsum fuehrt zur Rezeptor-Downregulation: Das Gehirn reduziert Anzahl und Empfindlichkeit der CB1-Rezeptoren. Die gleiche Dosis wirkt schwaecher. Toleranzpausen von 2–4 Wochen setzen diesen Mechanismus weitgehend zurück.
Fazit: Kein universell richtiges Dosierungsschema existiert. Die Tabellen sind Ausgangspunkte. Deine optimale Dosis findest du nur durch vorsichtiges, schrittweises Austesten nach dem Start-Low-Go-Slow-Prinzip.
Edibles vs. Inhalieren: Warum die Dosis unterschiedlich ist
Eine der häufigsten Verwirrungsquellen beim Einstieg in Edibles: "Ich rauche normalerweise X mg, also esse ich auch X mg." Das führt regelmäßig zu unerwarteten Erfahrungen. Der Grund liegt in der grundlegend unterschiedlichen Bioverfügbarkeit beider Konsumwege.
THC gelangt direkt über die Lungen ins Blut. Wirkung nach Sekunden bis 5 Minuten, Dauer 1–3 Stunden. Das Gehirn gibt sofortiges Feedback — natürliche Dosierungskontrolle. THC wird NICHT zu 11-Hydroxy-THC umgewandelt.
THC wird über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und in der Leber zu 11-Hydroxy-THC umgewandelt — 3–5x stärker als Delta-9-THC. Wirkung nach 45–120 Minuten, Dauer 4–8 Stunden. Kein sofortiges Feedback.
Das bedeutet konkret: Wer beim Inhalieren 10 mg THC benötigt, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, braucht beim Edible nicht dasselbe oder mehr — sondern möglicherweise deutlich weniger, weil die Leberumwandlung die Wirkstärke multipliziert.
| Konsumweg | Bioverfügbarkeit | Onset | Dauer | Wirkstärke bei gleicher Dosis |
|---|---|---|---|---|
| Vaporizer (Verdampfer) | 25–35% | 1–5 Min. | 1–3 Std. | Basis (1x) |
| Rauchen | 15–25% | 1–5 Min. | 1–2 Std. | 0,8x (etwas schwächer durch Verbrennung) |
| Edibles (fettbasiert) | 6–20% | 45–120 Min. | 4–8 Std. | 1,5–3x durch 11-OH-THC |
| Tinktur sublingual | ~35% | 15–45 Min. | 2–5 Std. | 1,2–1,5x (teilweise direkt absorbiert) |
Faustregel: Wer beim Inhalieren 10 mg THC als angenehm empfindet, sollte beim ersten Edible mit 2,5–5 mg beginnen — nicht mit 10 mg. Die Leberumwandlung zu 11-Hydroxy-THC ist eine biologische Variable, die keine Gewohnung aus der Inhalation überträgt.
Ein weiterer wichtiger Unterschied: Beim Inhalieren gibt das Körpergefühl sofort Rückmeldung. Bei Edibles fehlt dieses Feedback vollständig — man nimmt eine Dosis und wartet 45–120 Minuten. Wer ungeduldig wird und nachisst, riskiert eine kumulative überdosierung. Das erklärt, warum erfahrene Cannabis-Konsumenten dennoch regelmäßig beim ersten Edible zu viel nehmen.
Was tun wenn zu viel?
Bei zu intensiver Wirkung: Ruhig bleiben
- In einen ruhigen, vertrauten Ort zurückziehen. Alles ist vorübergehend — die Wirkung lässt nach.
- Wasser trinken, hinlegen wenn nötig. Frische Luft kann helfen.
- CBD (reines CBD-Öl) kann THC-Wirkungen abschwächen — sofern verfügbar.
- Schwarzer Pfeffer kauen: Terpene wie Beta-Caryophyllen können beruhigend wirken.
- Zuckerhaltiges essen: Kann helfen, das Gleichgewicht wiederzufinden.
- Nie alleine lassen, wenn sich jemand unwohl fühlt. Bei medizinischen Bedenken: Notruf (112).
Hinweis: Dieser Guide dient ausschliesslich zu Bildungszwecken. Cannabis-Konsum und -Herstellung unterliegt gesetzlichen Regelungen. Konsultiere bei Fragen zur medizinischen Dosierung immer einen Arzt oder Apotheker.
