Technik-Guide

Küchen-Basics für Edibles —
Was jeder Koch wissen muss

Von der Wahl des richtigen Fetts bis zur Dosierungsformel — hier findest du das gesamte Grundlagenwissen, das du für eine kontrollierte und erfolgreiche Cannabis-Infusion brauchst.

11 Min. Lesezeit Umfassendes Wissen
Cannabis-Risotto ruehren im Topf

Die 5 wichtigsten Infusionsmethoden im Vergleich

Es gibt mehrere Wege, Cannabinoide in ein Fett zu überführen. Grundvoraussetzung bei jeder Methode: Das Cannabis muss zuerst decarboxyliert werden — sonst bleibt die Infusion nahezu wirkungslos. Jede Methode hat danach Vor- und Nachteile in Bezug auf Aufwand, Geruch, Präzision und Endergebnis.

MethodeDauerGeruchPräzisionEmpfehlung
Topf (Herd) 2–3 Std. Stark Mittel Einsteiger, kleine Mengen
Slow Cooker 4–8 Std. Mittel Gut Grosse Mengen, unkompliziert
Sous Vide 2–4 Std. Kaum Sehr gut Qualitätsbewusste Köche
Öl-Extraktion (kalt) 2–4 Wochen Gering Schwer Spezielle Anwendungen
Magical Butter Machine 1–2 Std. Mittel Gut Häufige Produktion, Budget vorhanden

Welche Fette eignen sich?

Cannabinoide wie THC und CBD sind lipophil — sie lösen sich in Fett, nicht in Wasser. Deshalb ist die Qualität und der Fettgehalt des verwendeten Trägers entscheidend für die Wirkstoffausbeute.

Ausgezeichnet

Butter (82%+ Fett)

Klassisch, vielseitig, hoher Fettgehalt. Ideal für Gebäck, Saucen, Aufstriche. Kühlschranklagerung. Leicht zu dosieren.

Ausgezeichnet

Kokosöl (100% Fett)

Höchster Fettgehalt, beste Extraktionsrate. Neutral im Geschmack, vegan. Wird bei Raumtemperatur fest. Sehr vielseitig.

Gut (kalt)

Olivenöl (99% Fett)

Gut für Trocknungsinfusionen. Nicht für heisse Infusionen geeignet (Rauchpunkt zu niedrig). Ideal für Dressings, Tropfen.

Cannabis-Kokosoel im Glas fuer die Infusion

MCT-Öl — die unterschätzte Option

MCT-Öl (Medium-Chain-Triglycerides) ist geruchs- und geschmacksneutral, flüssig bei Raumtemperatur und hat eine exzellente Cannabinoid-Aufnahme. Studien deuten darauf hin, dass MCT-Öl zu einer besseren Bioverfügbarkeit von Cannabinoiden beiträgt als andere Öle. Besonders beliebt für Tinktur-Anwendungen und Dropper-Flaschen.

Zutaten fuer Cannabis-Kueche ausgelegt auf Brett - Mise en Place

Hitze und Wirkstoffverlust

Das wichtigste Temperaturwissen für Edibles lässt sich auf eine Regel komprimieren: Unter 100°C bleiben, über 85°C hinaus ist ideal für die Extraktion.

THC beginnt bei Temperaturen über 150°C signifikant zu degradieren. In einem kochenden Topf (100°C Wassertemperatur) selbst verlierst du nicht viel THC — aber wenn das Fett ohne Wasser überhitzt, kann die tatsächliche Temperatur schnell auf 180–200°C steigen, was zu erheblichen Verlusten führt.

  • 70–85°C: Idealer Bereich für die Cannabis-Infusion
  • 85–100°C: Akzeptabel, leicht erhöhter Terpen-Verlust
  • 100–150°C: Deutlicher Qualitätsverlust, nur für fertige Gerichte
  • Über 150°C: THC degradiert zu CBN (schwächer, sedierender)

Profi-Tipp: Thermometer ist Pflicht

Ein simples Küchenthermometer (ab ca. 10 EUR) ist das wichtigste Werkzeug in der Cannabis-Küche. Backofen-Temperaturanzeigen sind oft um 10–20°C ungenau. Beim Erhitzen von Fetten ohne Wasseranteil kann die Temperatur schnell unterschätzt werden.

Homogenisierung — warum gleichmässig Mischen wichtig ist

Selbst bei perfekter Extraktion kann die Endwirkung von Portion zu Portion stark variieren, wenn die fertige Cannabisbutter oder das Cannabis-Öl nicht gut homogenisiert ist. Cannabinoide verteilen sich beim Abkühlen nicht immer gleichmässig im Fett.

Praktische Massnahmen:

  • Fertige Cannabutter oder Cannabis-Öl nach dem Erkalten mit einem Mixer oder Immersionsmixer kurz aufschlagen
  • In Eiswürfelformen einfrieren und portionieren — jeder Würfel hat dann die gleiche Wirkstoffmenge
  • Beim Backen: Cannabutter bei Raumtemperatur cremig aufschlagen, bevor sie in den Teig kommt
  • Nie Rezepte machen, die Cannabutter "zum Schluss drauflegen" — so entsteht keine gleichmässige Verteilung im Gericht

Dosierung berechnen — die Formel

Das grösste Problem in der Cannabis-Küche ist die unbekannte Menge THC im Endprodukt. Mit dieser Formel lässt sich eine Näherung berechnen:

Gramm × THC% × 10 = mg THC (gesamt)

Teile durch die Anzahl der Portionen für mg THC pro Portion

Beispiel: Du verwendest 5g Cannabis mit 18% THC.

  • 5 × 18 × 10 = 900 mg THC gesamt (theoretisch)
  • Reale Ausbeute: ca. 70% → ~630 mg THC in der fertigen Butter
  • Butter reicht für 20 Brownies: 630 ÷ 20 = ~31,5 mg THC pro Stück

Das ist für viele Einsteiger deutlich zu viel. Passe die Cannabis-Menge oder die Portionsgrösse entsprechend an. Mehr zur richtigen Dosierung findest du im Dosierungs-Guide oder direkt im Dosierungsrechner.

Cannabis-Suppe im Topf mit Dampf und Kraeuter

Must-have Küchentools

Küchenthermometer

Unverzichtbar. Digitales Einstichthermometer für genaue Temperaturkontrolle, ab ca. 10 EUR.

Feinmaschiges Metallsieb

Zum Abseihen des Pflanzenmaterials. Käseleinen als Ergänzung für maximale Klarheit.

Glasgefässe mit Deckel

Zur Lagerung. Glas nimmt keine Gerüche an und reagiert nicht mit Cannabinoiden.

Küchenwaage (0,1g Genauigkeit)

Für genaue Mengenangaben des Cannabis. Normale Küchenwage (1g Genauigkeit) reicht für Butter.

Grinder (grob)

Für gleichmässiges Zerkleinern vor der Decarboxylierung. Grobe Stufe verwenden.

Eiswürfelform (Silikon)

Perfekt um Cannabutter portionsweise einzufrieren. Jeder Würfel enthält gleich viel Wirkstoff.

Hinweis: Dieser Guide dient ausschliesslich zu Bildungszwecken. Die Herstellung und der Konsum von Cannabis-Edibles unterliegt gesetzlichen Regelungen. Bei Fragen zur medizinischen Anwendung immer einen Arzt konsultieren.

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