Guide

Cannabis-Öl
selber machen

Olivenöl, Kokosöl oder MCT — welches Öl eignet sich am besten für die Cannabis-Infusion? Schritt-für-Schritt mit Temperaturkontrolle, Methodenvergleich und FAQ.

20 Min. Lesezeit Für Einsteiger geeignet
Extraktionszeit
2–6 Std.
Temperatur
70–80°C
Ausbeute
~200 ml
Methoden
3

Warum Öl als Basis?

THC, CBD und andere Cannabinoide sind fettlöslich — sie lösen sich nicht in Wasser, sondern in Fetten. Cannabis-Öl ist neben Cannabutter der wichtigste Fetträger für Edibles. Der Vorteil gegenüber Butter: Es ist vegan, hat eine längere Haltbarkeit und eignet sich für herzhafte Gerichte besser.

Cannabis-Öl ist vielseitiger als Cannabutter: Du kannst es in Salatdressings einrühren, über fertige Gerichte träufeln, in Smoothies mischen oder für herzhafte Pasta verwenden. Besonders MCT-Öl eignet sich für Sublinguale Anwendung — direkt unter die Zunge tropfen für schnellere Resorption.

Grundvoraussetzung: Das Cannabis muss vor dem Infusionieren decarboxyliert werden. Rohes Cannabis enthält THCA, nicht THC. Erst durch Hitze (110°C, 30–40 Minuten) wird daraus aktives THC. Ohne Decarb kein Rausch, kein medizinischer Effekt.

Welches Öl ist am besten?

Die Wahl des Öls beeinflusst Geschmack, Textur und — in gewissem Maße — die Extraktionseffizienz. Die Faustregel: Je höher der Sättigungsgrad der Fettsäuren, desto mehr Cannabinoide können sich anlösen.

Beste Wahl

Kokosöl

~92% gesättigte Fettsäuren — höchster Fettgehalt, maximale Extraktion. Neutral im Geschmack (raffiniert). Ideal fürs Backen. Fest bei Raumtemperatur, flüssig ab ~24°C.

Sehr gut

MCT-Öl

Mittelkettige Triglyceride aus Kokos. Bleibt immer flüssig, fast geschmacklos. Besonders gute Bioverfügbarkeit. Ideal für Tinkturen, Drops und Cold-Dressings.

Gut

Olivenöl

~73% einfach ungesättigte Fettsäuren. Etwas geringere Extraktion als Kokosöl, aber ideal für herzhafte Gerichte, Pestos und Salatdressings.

ÖlFettgehaltGeschmackBeste VerwendungHaltbarkeit
Kokosöl (raffiniert)~92% gesättigtNeutralBacken, Gummibärchen12–18 Monate
MCT-Öl~100% mittelkettigGeschmacklosTinkturen, Drops12–24 Monate
Olivenöl (extra vergine)~73% einfach ungesättigtFruchtig-grasigPestos, herzhafte Gerichte12–18 Monate
Avocadoöl~70% einfach ungesättigtMild, butterartigHigh-Heat Kochen6–12 Monate

Mengen und Verhältnisse

Die optimale Cannabis-zu-Öl-Menge hängt vom gewünschten THC-Gehalt und der Verwendung ab. Eine grobe Orientierung:

StärkeCannabisÖlCa. THC/EL (bei 15% THC)
Mild / Einsteiger3,5 g240 mlca. 3–4 mg THC
Standard7 g240 mlca. 6–8 mg THC
Stark14 g240 mlca. 12–15 mg THC
Medizinisch28 g480 mlca. 12–15 mg THC

Exakt berechnen: Die tatsächliche THC-Menge hängt vom THC-Gehalt des Cannabis und der Extraktionseffizienz (typisch 60–80%) ab. Mit dem Dosierungsrechner kannst du die genauen Werte für dein Cannabis eingeben.

Methoden im Vergleich

Es gibt drei bewährte Methoden zur Cannabis-Öl-Herstellung, die sich in Zeitaufwand, Kontrolle und Ergebnis unterscheiden:

Empfohlen
2–3 Stunden

Wasserbad

Präzise Temperaturkontrolle, kein direktes Überhitzen. Ideal für kleine bis mittlere Mengen. Erfordert ein Thermometer.

Einfach
4–6 Stunden

Slowcooker

Set-and-forget. Hält Temperatur automatisch. Ideal für grosse Mengen, kein ständiges Überwachen nötig. Etwas mehr Geruch.

Präzise
2–3 Stunden

Sous Vide

Exakteste Temperaturkontrolle. Kein Geruch, kein Verdampfen. Erfordert Sous-Vide-Stick und Vakuumbeutel.

Nicht empfohlen
30 Min.

Direktes Erhitzen

Cannabis direkt in die Pfanne — unkontrollierbar, Überhitzungsrisiko, Cannabinoide werden zerstört. Finger weg.

Methode 1: Wasserbad (empfohlen)

Zutaten

  • 7–14 g decarboxyliertes Cannabis
  • 240 ml Kokosöl, MCT-Öl oder Olivenöl
  • Feines Metallsieb oder Käsetuch
  • Hitzebeständiges Glas (z.B. Einmachglas)
  • Küchenthermometer
  • Kleines sauberes Glas mit Deckel zum Abfüllen
  1. Cannabis decarboxylieren (falls noch nicht erledigt): 110°C, 30–40 Minuten im Ofen.
  2. Decarboxyliertes Cannabis grob zerkleinern — nicht zu fein mahlen, sonst schwerer abseihen.
  3. Öl und Cannabis in ein hitzebeständiges Glas geben und locker vermischen.
  4. Glas in einen Topf mit Wasser stellen — das Wasser sollte mindestens bis zur Hälfte des Glases reichen.
  5. Wasser auf ca. 70–80°C erhitzen und diese Temperatur halten. Nicht kochen lassen — Siedepunkt (100°C) zerstört Cannabinoide.
  6. 2–3 Stunden bei konstanter Temperatur köcheln, dabei alle 30 Minuten umrühren.
  7. Öl durch Käsetuch oder feines Sieb in ein sauberes Glas abseihen. Rückstände gut ausdrücken.
  8. Abkühlen lassen, dann verschliessen und dunkel lagern.

Methode 2: Slowcooker

  1. Cannabis und Öl direkt in den Slowcooker geben und vermischen.
  2. Auf "Low" stellen — bei den meisten Geräten entspricht das ca. 70–80°C.
  3. 4–6 Stunden laufen lassen. Kein ständiges Rühren nötig, gelegentlich reicht.
  4. Abseihen, abfüllen, kühl lagern.

Slowcooker-Tipp: Etwas Wasser hinzufügen (ca. 100 ml) hilft, die Temperatur zu regulieren. Das Wasser setzt sich später beim Abkühlen am Boden ab und kann abgegossen werden — das Öl schwimmt oben.

Methode 3: Sous Vide

Die präziseste Methode. Cannabis und Öl in einen Vakuumbeutel geben, vakuumieren und im Wasserbad bei exakt 75°C für 2–3 Stunden garen. Kein Geruch, kein Verdampfen von Terpenen, maximale Kontrolle. Für diese Methode brauchst du einen Sous-Vide-Stick (ab ~50 Euro erhältlich).

Haltbarkeit und Lagerung

Cannabis-Öl ist bei korrekter Lagerung deutlich länger haltbar als Cannabutter — kein Wassergehalt bedeutet weniger Schimmelgefahr. Als Faustregel:

  • Kühlschrank: 2–3 Monate (Kokosöl wird fest — normal, einfach leicht erwärmen)
  • Gefrierfach: Bis zu 12 Monate, in kleinen Portionen einfrieren
  • Zimmertemperatur (dunkel): 4–6 Wochen bei MCT-Öl und Olivenöl

Immer dunkel und luftdicht lagern — Licht, Sauerstoff und Wärme bauen Cannabinoide ab. Dunkle Glasflaschen sind ideal.

Schimmelwarnung: Wenn Wasser ins Öl gelangt (z.B. feuchtes Cannabis), kann sich Schimmel bilden. Das Öl riecht dann muffig oder zeigt Trübung. Im Zweifel wegwerfen — Schimmel-Mykotoxine sind hitzestabil und werden beim Kochen nicht abgebaut.

Die 5 häufigsten Fehler

  • Kein Decarboxylieren: Ohne Decarb enthält das Öl fast ausschliesslich THCA — keine psychoaktive Wirkung, kaum medizinischer Effekt.
  • Zu hohe Temperatur: Über 120°C werden Cannabinoide und Terpene zerstört. Ein Thermometer ist kein Luxus.
  • Zu kurze Extraktionszeit: Mindestens 2 Stunden für optimale Ausbeute. 4–6 Stunden im Slowcooker noch besser.
  • Cannabis zu fein gemahlen: Wie Staub feines Mahlgut ist schwer abzuseihen und macht das Öl bitter und trüb. Grob zerkleinern reicht.
  • Nasses Cannabis: Cannabis muss trocken sein. Feuchtigkeit fördert Schimmel und reduziert die Extraktionseffizienz.

Dosierung berechnen

Die THC-Menge im fertigen Öl hängt von drei Faktoren ab: dem THC-Gehalt des Cannabis, der verwendeten Menge und der Extraktionseffizienz (typisch 60–80%). Mit unserem Dosierungsrechner kannst du den THC-Gehalt deines Öls exakt berechnen.

Als grobe Orientierung bei 15% THC im Cannabis und 70% Extraktionseffizienz:

  • 1 Esslöffel (15 ml) Cannabis-Kokosöl (7g/240ml) = ca. 5–7 mg THC
  • 1 Teelöffel (5 ml) = ca. 1,5–2,5 mg THC
  • 1 Tropfen (0,05 ml) Cannabis-MCT-Öl = ca. 0,1–0,2 mg THC

Für Einsteiger: Mit 2,5 mg THC pro Portion starten, 90–120 Minuten auf Wirkung warten, bevor nachdosiert wird. Mehr zu Timing und Wirkung: Dosierungs-Guide.

FAQ

Kann ich Cannabis-Öl direkt essen ohne es zu kochen?
Ja. Cannabis-Öl muss nicht erhitzt werden — die Decarboxylierung hat bereits stattgefunden. Du kannst es über fertige Speisen träufeln, in Salatdressings mischen oder direkt einnehmen. Beim Kochen verlierst du aber einige Terpene.
Was ist der Unterschied zwischen Cannabis-Öl und Cannabisextrakt (RSO)?
Cannabis-Öl (infused oil) entsteht durch Infusion von Cannabis in Speiseöl — für Küche und Edibles. RSO (Rick Simpson Oil) ist ein hochkonzentrierter Extrakt mit lösungsmittelbasierter Extraktion, hauptsächlich für medizinische Zwecke.
Muss Kokosöl beim Infusionieren flüssig sein?
Ja — Kokosöl muss flüssig sein (ab ~24°C oder leicht erwärmt), damit sich die Cannabinoide anlösen können. Festes Kokosöl lässt sich einfach im Wasserbad schmelzen, bevor Cannabis hinzugefügt wird.
Wie lange dauert die Wirkung von Cannabis-Öl?
Wie bei allen Edibles: Wirkungseintritt nach 45–120 Minuten, Dauer 4–8 Stunden. Wenn das Öl sublingual (unter die Zunge) eingenommen wird, kann die Wirkung schneller eintreten (20–40 Minuten). Mehr dazu im Dosierungsguide.
Kann ich Cannabis-Öl zum Braten verwenden?
Grundsätzlich ja, aber mit Vorsicht: Beim Erhitzen über 120°C werden Cannabinoide und Terpene zunehmend zerstört. Kokosöl und Avocadoöl haben höhere Rauchpunkte als Olivenöl. Besser: Cannabis-Öl nach dem Kochen zufügen oder für Low-Heat-Gerichte verwenden.
Warum ist mein Cannabis-Öl sehr dunkel oder grünlich?
Dunkelgrünes bis dunkelbraunes Öl entsteht durch Chlorophyll aus dem Pflanzenmaterial. Das ist geschmacklich oft intensiv-grasig. Mit feinerer Abseihmethode (Käsetuch, mehrfach) und weniger Ziehzeit wird das Öl heller und milder. Zu dunkles Öl ist nicht schädlich, aber geschmacklich oft unangenehm.