Warum Öl als Basis?
THC, CBD und andere Cannabinoide sind fettlöslich — sie lösen sich nicht in Wasser, sondern in Fetten. Cannabis-Öl ist neben Cannabutter der wichtigste Fetträger für Edibles. Der Vorteil gegenüber Butter: Es ist vegan, hat eine längere Haltbarkeit und eignet sich für herzhafte Gerichte besser.
Cannabis-Öl ist vielseitiger als Cannabutter: Du kannst es in Salatdressings einrühren, über fertige Gerichte träufeln, in Smoothies mischen oder für herzhafte Pasta verwenden. Besonders MCT-Öl eignet sich für Sublinguale Anwendung — direkt unter die Zunge tropfen für schnellere Resorption.
Grundvoraussetzung: Das Cannabis muss vor dem Infusionieren decarboxyliert werden. Rohes Cannabis enthält THCA, nicht THC. Erst durch Hitze (110°C, 30–40 Minuten) wird daraus aktives THC. Ohne Decarb kein Rausch, kein medizinischer Effekt.
Welches Öl ist am besten?
Die Wahl des Öls beeinflusst Geschmack, Textur und — in gewissem Maße — die Extraktionseffizienz. Die Faustregel: Je höher der Sättigungsgrad der Fettsäuren, desto mehr Cannabinoide können sich anlösen.
Kokosöl
~92% gesättigte Fettsäuren — höchster Fettgehalt, maximale Extraktion. Neutral im Geschmack (raffiniert). Ideal fürs Backen. Fest bei Raumtemperatur, flüssig ab ~24°C.
MCT-Öl
Mittelkettige Triglyceride aus Kokos. Bleibt immer flüssig, fast geschmacklos. Besonders gute Bioverfügbarkeit. Ideal für Tinkturen, Drops und Cold-Dressings.
Olivenöl
~73% einfach ungesättigte Fettsäuren. Etwas geringere Extraktion als Kokosöl, aber ideal für herzhafte Gerichte, Pestos und Salatdressings.
| Öl | Fettgehalt | Geschmack | Beste Verwendung | Haltbarkeit |
|---|---|---|---|---|
| Kokosöl (raffiniert) | ~92% gesättigt | Neutral | Backen, Gummibärchen | 12–18 Monate |
| MCT-Öl | ~100% mittelkettig | Geschmacklos | Tinkturen, Drops | 12–24 Monate |
| Olivenöl (extra vergine) | ~73% einfach ungesättigt | Fruchtig-grasig | Pestos, herzhafte Gerichte | 12–18 Monate |
| Avocadoöl | ~70% einfach ungesättigt | Mild, butterartig | High-Heat Kochen | 6–12 Monate |
Mengen und Verhältnisse
Die optimale Cannabis-zu-Öl-Menge hängt vom gewünschten THC-Gehalt und der Verwendung ab. Eine grobe Orientierung:
| Stärke | Cannabis | Öl | Ca. THC/EL (bei 15% THC) |
|---|---|---|---|
| Mild / Einsteiger | 3,5 g | 240 ml | ca. 3–4 mg THC |
| Standard | 7 g | 240 ml | ca. 6–8 mg THC |
| Stark | 14 g | 240 ml | ca. 12–15 mg THC |
| Medizinisch | 28 g | 480 ml | ca. 12–15 mg THC |
Exakt berechnen: Die tatsächliche THC-Menge hängt vom THC-Gehalt des Cannabis und der Extraktionseffizienz (typisch 60–80%) ab. Mit dem Dosierungsrechner kannst du die genauen Werte für dein Cannabis eingeben.
Methoden im Vergleich
Es gibt drei bewährte Methoden zur Cannabis-Öl-Herstellung, die sich in Zeitaufwand, Kontrolle und Ergebnis unterscheiden:
Wasserbad
Präzise Temperaturkontrolle, kein direktes Überhitzen. Ideal für kleine bis mittlere Mengen. Erfordert ein Thermometer.
Slowcooker
Set-and-forget. Hält Temperatur automatisch. Ideal für grosse Mengen, kein ständiges Überwachen nötig. Etwas mehr Geruch.
Sous Vide
Exakteste Temperaturkontrolle. Kein Geruch, kein Verdampfen. Erfordert Sous-Vide-Stick und Vakuumbeutel.
Direktes Erhitzen
Cannabis direkt in die Pfanne — unkontrollierbar, Überhitzungsrisiko, Cannabinoide werden zerstört. Finger weg.
Methode 1: Wasserbad (empfohlen)
Zutaten
- 7–14 g decarboxyliertes Cannabis
- 240 ml Kokosöl, MCT-Öl oder Olivenöl
- Feines Metallsieb oder Käsetuch
- Hitzebeständiges Glas (z.B. Einmachglas)
- Küchenthermometer
- Kleines sauberes Glas mit Deckel zum Abfüllen
- Cannabis decarboxylieren (falls noch nicht erledigt): 110°C, 30–40 Minuten im Ofen.
- Decarboxyliertes Cannabis grob zerkleinern — nicht zu fein mahlen, sonst schwerer abseihen.
- Öl und Cannabis in ein hitzebeständiges Glas geben und locker vermischen.
- Glas in einen Topf mit Wasser stellen — das Wasser sollte mindestens bis zur Hälfte des Glases reichen.
- Wasser auf ca. 70–80°C erhitzen und diese Temperatur halten. Nicht kochen lassen — Siedepunkt (100°C) zerstört Cannabinoide.
- 2–3 Stunden bei konstanter Temperatur köcheln, dabei alle 30 Minuten umrühren.
- Öl durch Käsetuch oder feines Sieb in ein sauberes Glas abseihen. Rückstände gut ausdrücken.
- Abkühlen lassen, dann verschliessen und dunkel lagern.
Methode 2: Slowcooker
- Cannabis und Öl direkt in den Slowcooker geben und vermischen.
- Auf "Low" stellen — bei den meisten Geräten entspricht das ca. 70–80°C.
- 4–6 Stunden laufen lassen. Kein ständiges Rühren nötig, gelegentlich reicht.
- Abseihen, abfüllen, kühl lagern.
Slowcooker-Tipp: Etwas Wasser hinzufügen (ca. 100 ml) hilft, die Temperatur zu regulieren. Das Wasser setzt sich später beim Abkühlen am Boden ab und kann abgegossen werden — das Öl schwimmt oben.
Methode 3: Sous Vide
Die präziseste Methode. Cannabis und Öl in einen Vakuumbeutel geben, vakuumieren und im Wasserbad bei exakt 75°C für 2–3 Stunden garen. Kein Geruch, kein Verdampfen von Terpenen, maximale Kontrolle. Für diese Methode brauchst du einen Sous-Vide-Stick (ab ~50 Euro erhältlich).
Haltbarkeit und Lagerung
Cannabis-Öl ist bei korrekter Lagerung deutlich länger haltbar als Cannabutter — kein Wassergehalt bedeutet weniger Schimmelgefahr. Als Faustregel:
- Kühlschrank: 2–3 Monate (Kokosöl wird fest — normal, einfach leicht erwärmen)
- Gefrierfach: Bis zu 12 Monate, in kleinen Portionen einfrieren
- Zimmertemperatur (dunkel): 4–6 Wochen bei MCT-Öl und Olivenöl
Immer dunkel und luftdicht lagern — Licht, Sauerstoff und Wärme bauen Cannabinoide ab. Dunkle Glasflaschen sind ideal.
Schimmelwarnung: Wenn Wasser ins Öl gelangt (z.B. feuchtes Cannabis), kann sich Schimmel bilden. Das Öl riecht dann muffig oder zeigt Trübung. Im Zweifel wegwerfen — Schimmel-Mykotoxine sind hitzestabil und werden beim Kochen nicht abgebaut.
Die 5 häufigsten Fehler
- Kein Decarboxylieren: Ohne Decarb enthält das Öl fast ausschliesslich THCA — keine psychoaktive Wirkung, kaum medizinischer Effekt.
- Zu hohe Temperatur: Über 120°C werden Cannabinoide und Terpene zerstört. Ein Thermometer ist kein Luxus.
- Zu kurze Extraktionszeit: Mindestens 2 Stunden für optimale Ausbeute. 4–6 Stunden im Slowcooker noch besser.
- Cannabis zu fein gemahlen: Wie Staub feines Mahlgut ist schwer abzuseihen und macht das Öl bitter und trüb. Grob zerkleinern reicht.
- Nasses Cannabis: Cannabis muss trocken sein. Feuchtigkeit fördert Schimmel und reduziert die Extraktionseffizienz.
Dosierung berechnen
Die THC-Menge im fertigen Öl hängt von drei Faktoren ab: dem THC-Gehalt des Cannabis, der verwendeten Menge und der Extraktionseffizienz (typisch 60–80%). Mit unserem Dosierungsrechner kannst du den THC-Gehalt deines Öls exakt berechnen.
Als grobe Orientierung bei 15% THC im Cannabis und 70% Extraktionseffizienz:
- 1 Esslöffel (15 ml) Cannabis-Kokosöl (7g/240ml) = ca. 5–7 mg THC
- 1 Teelöffel (5 ml) = ca. 1,5–2,5 mg THC
- 1 Tropfen (0,05 ml) Cannabis-MCT-Öl = ca. 0,1–0,2 mg THC
Für Einsteiger: Mit 2,5 mg THC pro Portion starten, 90–120 Minuten auf Wirkung warten, bevor nachdosiert wird. Mehr zu Timing und Wirkung: Dosierungs-Guide.